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Artenvielfalt: Aussaat einer Heuwiese und Aufstellung eines Wildbienennistplatzes

Aussaat der Heuwiese am Bauhof
Aussaat der Heuwiese am Bauhof

Noch ist auf der Fläche vor dem städtischen Bauhofgebäude in der Straße Am Zwerggewann natürlich kaum etwas Grünes, außer einem Steppenbeet aus vorwiegend heimischen Wildstauden, zu entdecken. Aber in wenigen Wochen, so hoffen alle Beteiligten, sollten hier die ersten Keimlinge sprießen. Auf Initiative von Bauhofleiter Michael Brand haben Dietmar Tinat von der Deutschen Waldjugend Heusenstamm und die Rödermärker Biologin Doris Lerch dafür gesorgt, dass hier bald eine bunte und nährstoffarme Heuwiese mit heimischen Wildpflanzen entsteht, die für Pflanzen und Tiere ein neues Lebensumfeld bieten soll. „Wir wollten die Fläche, die sich direkt vor unserem Dienstgebäude befindet, aufwerten. Wir sind dann auf die Aktion der Deutschen Waldjugend unter Regie von Dietmar Tinat aufmerksam geworden und haben direkt mit ihm Kontakt aufgenommen“, erklärt Brand. „In Rekordzeit und mit viel Engagement haben wir nun gemeinsam dieses Vorhaben umgesetzt“.

Am gestrigen Mittwoch war es so weit: Bürgermeister Halil Öztas brachte gemeinsam mit Doris Lerch und zwei Vertreter*innen der Waldjugend die Saat nach fachmännischer Anleitung aus. Die speziellen Samen zur Pflanzaktion hatte Lerch mitgebracht, die wiederum von Spendengeldern der Heusenstammer Waldjugend finanziert wurden und nun zielgerichtet eingesetzt werden konnten. Außerdem gibt es am Rand der Wiese einen Wildbienennistplatz aus vielfältigen Kleinstrukturen, wie Offenboden, Steinhaufen und Totholz, der vom Bauhof-Team in Eigenregie angefertigt wurde. Diese Strukturen werden zur Eiablage, Verpuppung, aber auch zum Überwintern benötigt. Der Nistplatz ist fast fertig gestellt, es fehlen nur noch Schilf- oder Bambushalme in den Bauziegeln - denn nur so fühlen sich die Wildbienen richtig wohl. Ferner werden noch zwei Infotafeln zu Wildbienen und dem Insektenschutz aufgestellt. „Wir freuen uns sehr, mit der Pflanzung der Wiese und der neuen Nistmöglichkeit für Wildbienen einen aktiven Beitrag zur Biodiversität geleistet zu haben – und Spaß gemacht hat es auch. Wir bedanken uns herzlich für das Engagement der Waldjugend und die professionelle Begleitung von Frau Lerch und werden auf jeden Fall weitere städtische Flächen prüfen“, sagt Bürgermeister Öztas.

Wer sich ebenfalls für den Schutz der Insekten interessiert und sich mit einer vergleichbaren Maßnahme aktiv für Artenvielfalt einsetzen will, kann gerne mit der Heusenstammer Waldjugend unter waldjugend-heusenstamm.de Kontakt aufnehmen.

 

Hintergrundinfos

Insektensterben und Biodiversitätsverlust sind Begriffe, die täglich zu hören sind. Die Gefahr, dass ein Großteil unserer Insektenwelt verloren geht, ist real und akut. Neueste Studien belegen einen Verlust von bereits einem Drittel unserer heimischen Insekten in den vergangenen zehn Jahren. Wenn dieser Trend nicht gestoppt wird, werden 60 Prozent der Produkte aus den Supermarktregalen verschwinden. Denn nicht nur Lebensmittel, sondern auch Pflegeprodukte wie Shampoos und Duschgels wären davon betroffen, da auch sie Pflanzenextrakte enthalten. Unsere Lebensqualität würde erheblich beeinträchtigt – bis hin zu einer möglichen Mangelernährung.

Zwischen den heimischen Wildpflanzen und Tieren besteht eine jahrtausendalte ko-evolutionäre Entwicklung, die wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip funktioniert. Dabei gehören Heuwiesen zu den artenreichsten Ökosystemen Mitteleuropas. So haben etwa ein Drittel aller heimischen Blühpflanzen ihr Hauptvorkommen in Wiesen und Weiden und rund 3500 Tierarten sind in ihnen zu Hause. Farbenprächtige Käfer, Zikaden, Schmetterlinge, Heuschrecken, Ameisen und Bienen tummeln sich in blütenreichen, nährstoffarmen Heuwiesen, mit denen oft Kindheitserinnerungen verknüpft sind. Wiesen und Weiden sind Bindeglieder von Natur und Kultur zugleich. Doch leider sind laut dem Bundesamt für Naturschutz in Deutschland seit 1950 diese Wiesen und Weiden um 98 Prozent zurückgegangen. Zusätzlich stellt Dauergrünland eines der bedeutendsten terrestrischen CO2-Speicher unserer Erde. Mit der Aussaat einer nährstoffarmen Heuwiese betreibt man also nicht nur Artenschutz auf höchstem Niveau, sondern auch gleichzeitig Klimaschutz.

Heimische Wildpflanzen sind nicht nur für unsere Insektenwelt unentbehrlich, sie sind auch durch ihre genetische Vielfalt eine klimafeste Lösung für das Siedlungsgrün. Sie benötigen keinen Dünger und auch keine Bewässerung (ausgenommen bei extrem langen Trockenperioden).

 

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