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Heusenstamm bekommt einen Hitzeaktionsplan – Magistrat stellt Weichen für den Schutz der Verwundbarsten
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Die Stadt Heusenstamm wird einen kommunalen Hitzeaktionsplan erarbeiten. Das hat der Magistrat in seiner Sitzung am 21. Juli 2026 beschlossen. Mit dem Plan bündelt die Stadt ihre bereits laufenden Aktivitäten zum Hitzeschutz in einem strategischen Gesamtrahmen und richtet sie konsequent auf die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen aus: ältere Menschen und Kinder in den Kindertageseinrichtungen.
Der Handlungsbedarf ist offensichtlich. Heusenstamm liegt im südlichen Ballungsraum Rhein-Main, einer der am stärksten wärmebelasteten Regionen Deutschlands. Nach Angaben des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat sich die durchschnittliche Zahl der heißen Tage mit Temperaturen ab 30 Grad in Hessen von vier Tagen im Zeitraum 1951 bis 1980 auf zehn Tage im Zeitraum 1995 bis 2024 mehr als verdoppelt. Während der Hitzewelle im Juni dieses Jahres wurden am benachbarten Wetterstandort Offenbach bis zu 38 Grad gemessen; Hessen verzeichnete den wärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Klimaprojektionen zeigen: Die Zunahme heißer Tage und Tropennächte wird sich fortsetzen. Hitzeschutz ist damit keine Reaktion auf ein einzelnes Ereignis, sondern eine kommunale Daueraufgabe.
„Die Hitzewelle im Juni hat uns allen noch einmal deutlich gemacht, worum es geht: um die Gesundheit und im Ernstfall um das Leben von Menschen in unserer Stadt", sagt Bürgermeister Steffen Ball. „Heusenstamm hat eine überdurchschnittlich alte Bevölkerung, und gerade alleinlebende ältere Menschen sind bei extremer Hitze besonders gefährdet. Gleichzeitig tragen wir Verantwortung für die Kleinsten in unseren Kitas, die sich selbst noch gar nicht vor Hitze schützen können. Für beide Gruppen wollen wir mit dem Hitzeaktionsplan verbindliche und wirksame Strukturen schaffen."
Eine zentrale Priorität hat der Magistrat bereits festgelegt: den baulich-technischen Hitzeschutz in den städtischen Kindertageseinrichtungen. Bislang verfügt keines der städtischen Kita-Gebäude über eine Klimaanlage. Für Klimatisierung, Außenbeschattung und Sonnenschutzsysteme sollen Mittel aus dem Sondervermögen bereitgestellt werden; ein Mittelverwendungsplan wird dem Magistrat bis Mitte September vorgelegt und anschließend der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung zugeleitet. Ergänzend prüft die Verwaltung Förderprogramme des Landes Hessen und des Bundes, um den städtischen Eigenanteil so gering wie möglich zu halten.
Bereits zum neuen Kitajahr wird zudem ein verbindliches Hitzeschutzkonzept für die städtischen Kitas in Kraft treten. Es legt Temperaturschwellen, Dokumentationspflichten und abgestufte organisatorische Reaktionen fest und wird als eigenständiger Fachbaustein in den Hitzeaktionsplan integriert. Die Beschlussfassung im Magistrat ist für den 4. August vorgesehen, die Vorstellung im Gesamtelternbeirat für den 18. August.
Der Hitzeaktionsplan knüpft an zahlreiche Maßnahmen an, die die Stadt bereits umgesetzt oder auf den Weg gebracht hat. Dazu zählen der Informationsflyer „Hitze in der Stadt", die gemeinsam mit der Bürgerstiftung gepflanzten Schattenbäume auf städtischen Spielplätzen, die neuen Baumstandorte nach dem „Stockholmer Modell" in der Ludwigstraße und der Frankfurter Straße, die Pflanzung klimaresilienter Esskastanien im Stadtwald, die Meldung kühler Orte an den Kreis Offenbach, die Haus-Baum-Aktion in Privatgärten sowie die Prüfung neuer Bankstandorte und öffentlicher Trinkwasserbrunnen. Künftig sollen darüber hinaus unter anderem die Anbindung an das Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes, der mögliche Aufbau eines Hitzeregisters für besonders gefährdete Haushalte, Hitzepatenschaften und die Ausweisung öffentlicher Abkühlungsorte hinzukommen.
Für die Erarbeitung richtet die Verwaltung eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe aus den Bereichen Stadtplanung und Umwelt, Soziales und Senioren sowie Ehrenamt ein; die Koordination liegt beim Bürgermeister. Auch die Bürgerinnen und Bürger, der Gewerbeverein und der örtliche Handel werden beteiligt – ihre Erfahrungen und Anregungen fließen in die Maßnahmenplanung ein. Ein Entwurf des Hitzeaktionsplans soll dem Magistrat im Herbst 2026 vorliegen; investive Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. Der Plan ist als lebendes Dokument angelegt und wird jährlich nach Ende der Warmsaison ausgewertet und fortgeschrieben.
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