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Konsequenzen aus der Wasserkrise: Heusenstamm setzt auf Infrastruktur, Vorsorge und einen schonenden Umgang mit der Ressource

Der Magistrat der Stadt Heusenstamm hat in seiner Sitzung am 28. Juli 2026 ein umfassendes Maßnahmenpaket als Antwort auf die Wasserkrise im Kreis Offenbach Ende Juni 2026 beschlossen. Im Mittelpunkt stehen infrastrukturelle Maßnahmen zur dauerhaften Sicherung der Trinkwasserversorgung, des Löschwassers und des Grundwasserschutzes. Zugleich macht der Magistrat deutlich: Auch künftig wird jede und jeder Einzelne gefragt sein, verantwortungsvoll und sparsam mit der Ressource Wasser umzugehen.

Auslöser der Sonderlage war eine außergewöhnlich lange Hitzeperiode mit historisch hohem Trinkwasserverbrauch im gesamten Versorgungsgebiet des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO), zu dem auch Heusenstamm gehört. Am 26. Juni erreichte die Abgabemenge mit rund 77.680 Kubikmetern einen Höchstwert – etwa doppelt so viel wie zu Monatsbeginn. Der ZWO setzte die Wasserampel auf die höchste Stufe (Rot), die Bevölkerung wurde über die amtlichen Warnsysteme informiert. Am 29. Juni konnte die Lage durch wieder angestiegene Speicherstände stabilisiert werden.

Für die Bewertung ist dem Magistrat eine Unterscheidung wichtig: Der Engpass war kein Ausdruck einer generellen Wasserknappheit, sondern ein Kapazitätsproblem. An heißen Tagen riefen sehr viele Verbraucherinnen und Verbraucher gleichzeitig große Mengen ab, sodass Gewinnung, Aufbereitung, Speicher und Netz diesen Spitzenabruf nicht mehr abbilden konnten. Erstmals überstieg der Bedarf die Aufbereitungskapazität des ZWO – nicht das verfügbare Wasserdargebot der Region. Diese Einordnung ist entscheidend für die richtigen Schlussfolgerungen: Wo die Infrastruktur der Engpass ist, muss vorrangig die Infrastruktur ertüchtigt werden. Deshalb liegt der Schwerpunkt der Beschlüsse klar auf dem Ausbau und der Stärkung der Versorgung – ergänzt um den Appell an alle, mit Trinkwasser bewusst hauszuhalten.

Heusenstamm wurde von der Wasserkrise nicht unvorbereitet getroffen und hat bereits vor und während der Sonderlage gehandelt. Schon seit 2022 arbeitet die Stadt – teils gemeinsam mit dem ZWO, teils in eigener Zuständigkeit – am Thema Wasser, unter anderem über das Kommunale Wasserkonzept und die wassersensible Stadtplanung nach dem Schwammstadt-Prinzip. Während der heißen Tage stimmten sich Bürgermeister, Erster Stadtrat und die Verwaltung eng mit der Feuerwehr und dem Krisenstab des Kreises ab, erarbeitete einen gestuften Krisen- und Maßnahmenplan und setzte in den städtischen Liegenschaften Einsparungen um. Bei der Bewässerung des Stadtgrüns wurden die Zyklen gestreckt und die Steuerung an Wetter- und Witterungsdaten gekoppelt; in der Rot-Phase unterbrach der Bürgermeister persönlich die Bewässerung im Schlossgarten – als sichtbares Zeichen, dass die Stadt mit gutem Beispiel vorangeht.

Ein besonders greifbares Beispiel für den eingeschlagenen Weg ist der neu errichtete Brunnen am Schlossweiher. Mit ihm lassen sich die Weiher trinkwasserschonend befüllen – und damit zugleich die schattenspendenden Bäume rund um das Ensemble mit Wasser versorgen. So wird kostbares Trinkwasser gespart und gleichzeitig ein Beitrag zum Hitze- und Klimaschutz geleistet, denn vitale, wassserversorgte Bäume kühlen ihre Umgebung und spenden Schatten.

„Wir setzen bewusst auf Vorsorge und eine belastbare Infrastruktur statt auf dauerhafte Verbote“, erklärt Bürgermeister Steffen Ball. „Der neue Brunnen am Schlossweiher zeigt genau diesen Ansatz: Wir befüllen die Weiher und versorgen die Bäume, ohne dafür Trinkwasser einzusetzen. Trotzdem bleibt der sorgsame Umgang mit Wasser eine Aufgabe für uns alle – jede und jeder kann einen Beitrag leisten.“

Zu den weiteren beschlossenen Maßnahmen gehört, die Löschwasserversorgung des Stadtgebiets gemeinsam mit der Feuerwehr zu überprüfen und – soweit erforderlich – das Löschwasserkonzept fortzuschreiben. Vom Trinkwassernetz unabhängige Entnahmestellen sollen künftig vertieft erfasst und dokumentiert werden.

Für die dauerhafte Bearbeitung der Wasserthemen richtet die Stadt eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe „Wasser“ ein, in der die betroffenen Fachdienste, der Bauhof, die Feuerwehr und die Pressestelle zusammenwirken. Für städtische Großverbraucher wie Schwimmbad, Sportplätze und Friedhöfe werden Möglichkeiten geprüft, Trinkwasser zu ersetzen – etwa durch die geplante Regenwasserzisterne am Rechenzentrum oder durch Brunnenneubauten. Beim städtischen Grün wird der Weg zu hitzeresistenter, mehrjähriger Bepflanzung und wassersparender Bewässerung konsequent fortgeführt. Ein Bewässerungskonzept mit klarer Priorisierung soll insbesondere Bestands- und Jungbäume schützen, da vitale Pflanzen selbst einen wichtigen Beitrag zum Hitzeschutz leisten.

Als Vorsorgeinstrument für tatsächliche Notlagen prüft die Stadt zudem die vom Land Hessen bereitgestellte Muster-Gefahrenabwehrverordnung, mit der sich der Trinkwasserverbrauch im Notfall rechtssicher und befristet einschränken lässt. Der Magistrat betont, dass ein solches Instrument dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit unterliegt und ausdrücklich als Vorratsbeschluss angelegt ist – nicht als dauerhaftes Regelungsinstrument.

Über die Vertretung der Stadt in den Gremien des ZWO wird sich Heusenstamm dafür einsetzen, dass der Verband zentrale Zukunftsfragen vorantreibt: die langfristige Sicherung der Liefer- und Vorhaltemengen bis 2050, die Sicherung der Wasserrechte, die Anpassung der Aufbereitungs- und Speicherkapazitäten sowie eine einheitliche und verständliche Wasserampel-Strategie.

Die Verwaltung wird die Stadtverordnetenversammlung und die Öffentlichkeit regelmäßig über die Ergebnisse berichten und eine priorisierte Maßnahmen- und Finanzierungsübersicht vorlegen. Leitlinie bleibt: Die Stadt investiert in eine leistungsfähige Infrastruktur und trifft rechtzeitig Vorsorge. Verbrauchseinschränkungen sind das letzte Mittel für die akute Notlage – der schonende Umgang mit Wasser im Alltag hilft dagegen allen und dauerhaft.

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