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Hitzeschutz in den städtischen Kitas: Magistrat beschließt verbindliches Schutzkonzept

Symbolbild: Im Sommer ist Hitzeschutz besonders wichtig.
Symbolbild: Im Sommer ist Hitzeschutz besonders wichtig.

Der Magistrat der Stadt Heusenstamm hat ein Hitzeschutzkonzept für die städtischen Kindertageseinrichtungen beschlossen. Es tritt zum Beginn des neuen Kindergartenjahres 2026/2027 am 10. August 2026 in Kraft und legt verbindlich fest, wie die Einrichtungen an heißen Tagen die Gesundheit der betreuten Kinder und der Beschäftigten schützen.

Hintergrund ist die Zunahme von Hitzeperioden infolge des Klimawandels. Gerade Kleinkinder sind dabei besonders gefährdet: Ihre Thermoregulation ist noch nicht vollständig ausgereift, sie nehmen Wärme schneller auf und können Durst oder Überhitzung häufig nicht zuverlässig äußern. Das Konzept richtet den Blick daher besonders auf die unter Dreijährigen und verbindet technische, organisatorische und kommunikative Maßnahmen zu einem praxistauglichen Rahmen für den Kita-Alltag.

Verbindliche Regeln für heiße Tage

Herzstück ist ein Stufenmodell mit vier Stufen von Grün bis Rot, das an die gemessene Innenraumtemperatur gekoppelt ist. Grundlage sind tägliche Messungen um 9, 11, 14 und 16 Uhr in Gruppen-, Schlaf- und Küchenräumen; neben der Temperatur fließen auch Luftfeuchtigkeit und UV-Index in die Bewertung ein. Je nach Stufe werden Tagesabläufe angepasst, körperlich anstrengende Aktivitäten in die kühleren Morgenstunden verlegt und Kindern in kürzeren Abständen Getränke angeboten. Gleichzeitig werden Verschattungsmaßnahmen konsequent genutzt. Für die Jüngsten gilt eine klare Grenze: Schlafräume werden ab 26 Grad nicht mehr genutzt. Steigt die Innenraumtemperatur über 35 Grad, muss die betroffene Einrichtung zum Schutz der Kinder geschlossen werden.

„Kleine Kinder können nicht selbst sagen, wenn ihnen die Hitze zu schaffen macht. Genau deshalb verlassen wir uns bei diesem Thema nicht länger auf ein Bauchgefühl, sondern auf klare, messbare Regeln, die jede Einrichtung nachvollziehbar anwenden kann“, sagt Bürgermeister Steffen Ball.

Das Konzept regelt zugleich die Information der Eltern und den Schutz des Personals. Über die famly-App stehen den Einrichtungen vorbereitete Textbausteine bereit, um Familien frühzeitig und einheitlich über Hitzewarnungen, angepasste Betreuungszeiten oder mögliche Teilschließungen zu informieren. Für die Beschäftigten greifen die Vorgaben des Arbeitsschutzes nach Arbeitsstättenverordnung und den Empfehlungen der Unfallkasse Hessen.

„Hitzeschutz ist längst keine freiwillige Zusatzleistung mehr, sondern gehört zur kommunalen Daseinsvorsorge. Mit diesem Konzept geben wir unseren Kitas einen verlässlichen Rahmen an die Hand – und entwickeln ihn gemeinsam mit weiteren baulichen und organisatorischen Maßnahmen kontinuierlich weiter“, so Ball.

Bauliche Anpassungen werden Schritt für Schritt umgesetzt

Parallel zum Hitzeschutzkonzept treibt die Stadt auch die bauliche Anpassung ihrer Kindertageseinrichtungen an den Klimawandel voran. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung der Verschattung, zur Reduzierung der Wärmeentwicklung in den Räumen sowie weitere bauliche und technische Optimierungen, die das Raumklima nachhaltig verbessern. Das Hitzeschutzkonzept bildet damit einen wichtigen Baustein einer umfassenden Klimaanpassungsstrategie für die städtischen Kindertageseinrichtungen.

Es gibt aber keine Standardlösung: Jede Kita verfügt über unterschiedliche räumliche Voraussetzungen und hat individuelle bauliche Anforderungen. Die Maßnahmen werden deshalb Schritt für Schritt geplant und umgesetzt.

Bereits Anfang Juli wurde die Küche der Container-Kita Am Bieberbach mit einer Klimaanlage ausgestattet. Zudem verfügen alle städtischen Einrichtungen bereits über mobile Klimageräte. Die Erfahrungen der vergangenen Hitzewochen haben jedoch gezeigt, dass diese bei anhaltenden Extremtemperaturen an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Deshalb prüft der Fachdienst Hochbau derzeit den Einbau weiterer fest installierter Klimageräte und holt entsprechende Angebote ein.

Darüber hinaus setzt die Stadt kurzfristig weitere Maßnahmen um. So erhält beispielsweise die Kita Am Bieberbach einen zusätzlichen Sonnenschirm, da das Außengelände kaum natürlichen Schatten bietet. Für die U3-Kita Explorinis ist weiterer Sonnenschutz an den Fenstern vorgesehen. Finanziert werden diese Maßnahmen aus dem laufenden Budget sowie über das Förderprogramm „Starke Teams, starke Kitas“.

Den freien und konfessionellen Trägern von Kindertageseinrichtungen wird die Anwendung des Konzepts empfohlen. Das Hitzeschutzkonzept ist Bestandteil des kommunalen Hitzeschutzkonzepts der Stadt Heusenstamm und wird regelmäßig evaluiert sowie bei Bedarf fortgeschrieben.

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